Der Triebel -Erinnerungen an die Talgangbahn

Karte der Region Stuttgart mit der TalgangbahnAuf der Schwäbischen Alb liegen im Tal der Schmiecha die Orte Onstmettingen, Tailfingen, Truchtelfingen und Ebingen. Diese drei Orte wurden in den siebziger Jahren im Zuge der Gebietsreform mit weiteren Orten zur Stadt Albstadt. Im 19. Jahrhundert bildete die Textilindustrie die wichtigste Einnahme in diesem Gebiet, das vom Volksmund auch "Talgang" genannt wird.Die "Talgangbahn" wurde bereits 1889 beantragt, vom Königreich Württemberg jedoch abgelehnt, da die Strecke nicht gewinnbringend sei.

Lok 10 der EFZ auf der Talgangbahn1897 war der Bau von Eisenbahnstrecken und deren Betrieb nicht mehr alleine Aufgabe der Königlich Württembergischen Staatsbahn, sondern es durften auch private Betreiber "Betrieb" machen. Dadurch wurde dem erneuten Antrag einer normalspurigen Bahnstrecke im Talgang stattgegeben. Die Planungen für die 8,2 km lange Strecke waren im Sommer 1899 abgeschlossen. Die für Bau und Betrieb zuständige Württembergische Eisenbahngesellschaft (WEG) errechnete für die Erstellung der Trasse, die Bahnbauten und die ersten Fahrzeuge Kosten von 920 000 Reichsmark.

Am 11. Juli 1901 war es soweit; der Eröffnungszug weihte die Strecke ein. Für die WEG entwickelte sich der Verkehr auf der Stichbahn so gut, daß es in den dreißiger Jahren zu einem Angebot an die im Talgang ansässigen Textilfabriken kam: In der Vorweihnachtszeit, wenn das Frachtaufkommen an "Schlupfhosen" und Unterhemden besonders hoch war, wurde ein aus Gepäckwagen bestehender Sonderzug zusammengestellt, den in Ebingen die Reichsbahn übernahm. Die Waggons wurden den D-Zügen beigestellt, und so war eine schnelle Kundenbelieferung gewährleistet. Natürlich hatte dieser "Sonderzug" auch gleich einen speziellen Namen - der "Trikotagenexpress" war geboren.

Im Jahre 1964 endete der Dampfbetrieb auf der Talgangbahn. Im Bahnhof Onstmettingen sind seitdem nur noch ein Triebwagen, ein Beiwagen und ein Steuerwagen, der aus einem Beiwagen umgebaut wurde, stationiert.
T 09 der WEG Februar 1991Der Triebwagen VT09 ist aus dem Jahre 1956 und wurde von der Firma Fuchs gebaut. Im Jahre 1963 erhielt er einen neuen Aufbau von Auwärter. Der "Triebel" arbeitete 35 Jahre auf der Talgangbahn und legte auf der 8 km langen Strecke genau 573 042 Kilometer zurück. Die letzte Hauptuntersuchung erhielt er im Jahre 1997.
Der Betrieb der Talgangbahn wurde am 29. Juli 1998 eingestellt. Die letzte Fahrt war ein Schülerzug, der um 11:47 Uhr als Leerfahrt in Onstmettingen startete und planmäßig in Ebingen um 12:09 Uhr seinen Dienst aufnahm. Um 12:33 Uhr war der Zug 210 wieder in Onstmettingen und wurde ein letztes Mal in den Schuppen gefahren.

Die Talgangbahn und der “Triebel” wurden von mir regelmässig während meines Schulbesuchs im Gymnasium Tailfingen benutzt. Hier ein kleiner, persönlicher Erlebnisbericht.

VS und VBIm Februar 2001stehen die Fahrzeuge der Talgangbahn im Bahnhof Untergröningen. Der Zustand läßt vermuten, daß die Fahrzeuge nicht mehr eingesetzt werden sollen.

Schülerzüge waren seit langem schon die einzigen Fahrten, die auf der Talgangbahn durchgeführt wurden. Während der Schulferien ruhte der gesamte Schienenverkehr.
Die Einstellung des Verkehrs wurde vor allem wegen der notwendigen Sanierungsmaßnahmen auf der Bahnstrecke unabwendbar. Der Oberbau ist sanierungsbedürftig, und im Stadteil Ebingen wurde durch umfangreiche Straßenführungsarbeiten ein neuer Bahnübergang fällig. Des weiteren benötigen die Betonbrücken, die seit 1901 stehen, neue Abdeckungen. Kernbohrungen haben jedoch ergeben, daß die Bauwerkssubstanz noch gut ist.
Da die WEG, an der die Connex mit Sitz in Frankfurt/Main, mit über 90% beteiligt ist, den gesamtem Talgangsbetrieb auf der Schiene wirtschaftlich unter Eigenregie betieben hat (Ausnahme war eine Fahrt zum Schulzentrum nach Tailfingen), spielen in erster Linie wirtschaftliche Aspekte gegen den weiteren, investitionsträchtigen, Betrieb.

Der Güterverkehr war das Standbein der Talgangbahn; im Grunde wurde sie deswegen gebaut. Seit 1991 war der Transport von Gütern (Stückgut), von 7048 Tonnen auf 1644 Tonnen im Jahr 1995 zurückgegangen. Seit 1996 wird Kleingut von der DB AG per LKW nach Reutlingen gefahren, und damit war der Stückgutverkehr auf der Talgangbahn beendet.Bahnhof Truchtelfingen
Interessanterweise hatte der Wagenladungsverkehr seinen Tiefpunkt 1994, wo gerade einmal 73 Tonnen verzeichnet wurden. Im Jahre 1997 wurden dagegen 2618 Tonnen bewegt. Dies war dann meist ein Kesselwagen, der in Onstmettingen zugestellt wurde.

Mit zuletzt 215000 DM Einnahmen pro Jahr sind die Sanierungkosten, die ca 15 Millionen DM betragen, laut DEG (jetzt Connex) nicht zu tragen. Und deshalb rosten die Schienen seit jenem 29.Juli 1998 vor sich hin.

Teil2: Der Kampf um eine eigene Bahnstrecke
Aus für die Talgangbahn?! (Stand Oktober 2002)

© Jörg Wagner 2001

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Fotos © Jörg Wagner
Quelle: Modelleisenbahner
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Aktualisiert am
30.Januar 2005

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