Das Ende der Talgangbahn ?

Ideen gab es viele: Vom Spurbusbetrieb über den reinen Busbetrieb bis zum Schienenverkehr. Dieser war mit einer Investitionssumme von 18 bis 22 Millionen Mark die teuerste Überlegung. Trotzdem begannen Ende 2001 die Verhandlungen der Stadtverwaltung Albstadt mit der WEG (Württembergische Eisenbahngesellschaft) und der HzL (Hohenzollerischen Landesbahn). Es gab positive Signale und manch einer glaubte, dass “d´r Schellamatheis” bald wieder fahren würde.

Als sich dann die WEG aus der Region vollständig zurückzog, oblag es der Hohenzollerischen Landesbahn, die neue Situation richtig zu kalkulieren.

Zu dieser Kalkulation hätte die HzL drei Monate Zeit benötigt, die dem Stadtrat von Albstadt jedoch zu lange erschien. Da die HzL ausserdem die Bahnhofsgebäude aus dem Vertrag genommen hätte, so dass der Stadt Albstadt die Sanierung oder der Abriss geblieben wäre, wurde dem Oberbürgermeister von Albstadt, Herrn Dr. Gneveckow, die weitere Verhandlung mit der Hzl untersagt.
Dies bedeutet das Aus für die KBS (Kursbuchstrecke) 749 Ebingen - Onstmettingen.

Hier ein paar Auszüge aus dem Zollern-Alb-Kurier external linkhttp://www.zak.de external link, einer grossen Tageszeitung aus dem Zollernalbkreis:

Warum hat die HzL Interesse an der Talgangbahn? (Zollern-Alb Kurier vom 19.10.2002)

“In einem Brief an den Oberbürgermeister erläutert Betriebsleiter Strobel die Beweggründe

Im September informierte Oberbürgermeister Dr. Gneveckow den Gemeinderat über den Rückzug der WEG aus dem Talgangbahn-Projekt. Gleichzeitig gab er bekannt, dass mit der HzL verhandelt werde. Auf Antrag der SPD-Fraktion, die auf eine schnelle Entscheidung über das weitere Vorgehen drängt, kommt das Thema nächsten Donnerstag bei der Gemeinderatssitzung auf den Tisch. Gestern stellte uns die Stadtverwaltung einen Brief von HzL- Vorstandsmitglied und Betriebsleiter Strobel, datiert vom 10. Oktober, zum Abdruck zur Verfügung:

Strobel schreibt an den OB: "Der Rückzug der WEG aus dem Vorhaben 'Talgangbahn' hat eine völlig neue Situation geschaffen. Wir haben uns bereit erklärt, in die Bresche zu springen und gemeinsam mit Ihnen das Vorhaben weiter voranzutreiben. Hierzu haben bereits mehrere Gespräche stattgefunden, zahlreiche Fakten und Unterlagen sind ausgetauscht worden.

Es ist zweifellos berechtigt, wenn kritisch hinterfragt wird, warum sich die HzL für das Projekt interessiert und wie sie mit den Problemen umgeht, die letztlich bei der WEG zum Rückzug geführt haben. Gerne sind wir bereit, hierzu nachstehende nähere Erläuterungen zu geben.

Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die Talgangbahn direkt im Verkehrsgebiet der HzL verläuft. Nicht zuletzt war dieses auch Grund dafür, dass wir vor mehreren Jahren bereits intensiv die Reaktivierung der Talgangbahn untersucht haben. Zweifellos waren damals die finanziellen Möglichkeiten für Verkehrsvorhaben dieser Art ungünstiger als die heutigen Randbedingungen. Diese Tatsache und möglicherweise auch andere Gründe haben letztendlich dazu geführt, dass die Stadt die Angelegenheit nicht weiter verfolgen konnte. Insofern ist uns die dortige Problematik noch einigermassen vertraut.

Albstadt wird bereits durch Verkehrsmittel der HzL im SPNV sowie im Omnibusbereich bedient. Unabhängig von unserer Aufgabe, Verkehrsleistungen im öffentlichen Bereich zu erbringen, haben wir das dortige Vorhaben aus verkehrstechnischer und städtebaulicher Sicht schon immer für sinnvoll und nachhaltig eingestuft. Wir haben daher auch in den zurückliegenden beiden Jahren die diesbezüglichen Ziele der Stadt, des Landkreises und der WEG trotz der bei uns entstehenden betrieblichen Erschwernisse kooperativ unterstützt. Ein erneutes Scheitern des Vorhabens wäre nach unserer Einschätzung für die Region und den gesamten SPNV/ÖPNV nachteilig.

Die HzL ist ein Verkehrsunternehmen mit Bahn und Bus der hiesigen Region, die erforderliche Infrastruktur (Werkstätten, Ver- und Entsorgungseinrichtungen etc.) sowie die Verwaltung mit ihren Fachbereichen befinden sich vor Ort, das heisst in Hechingen und Gammertingen. Damit sind wir in der Lage, die Talgangbahn zusätzlich zu unseren bestehenden Aktivitäten kundennah und ohne grosse Verwaltungswege sowie ohne Subunternehmerleistung zu betreiben.

Einstieg naheliegend

Ein wesentliches Element bei den heutigen Planungen für die moderne Betriebsform der Strecke Ebingen - Onstmettingen liegt in den durchgehenden Zügen von Tübingen nach Onstmettingen. Diese können jedoch nur aus der von uns betriebenen Regionalbahnen von Tübingen nach Albstadt bzw. Tübingen - Sigmaringen eingespeist werden. Somit ist es nahe liegend, dass die HzL letztendlich auch den zusätzlichen Binnenverkehr mit übernimmt. Bei der Infrastruktur wird es kaum ein anderes Eisenbahninfrastrukturunternehmen geben, das Interesse hat, hier tätig zu werden, da der Betrieb einer Eisenbahninfrastruktur von etwas über acht Kilometer Länge alleine nur schwierig darstellbar ist. Die Überprüfung der vorliegenden WEG- Zahlen und die Aufstellung eigener Rechnungen durch uns hat bisher gezeigt, dass zwar innerhalb der Investitionen Verschiebungen eintreten, die Gesamtsumme jedoch im wesentlichen erhalten bleiben wird. Wir haben dabei nicht nur eigene Fachkräfte beteiligt, sondern auch ein externes Ingenieurbüro. Auch die Betriebskosten werden auf Kostenbasis 2002 gegenüber dem Ergebnis der WEG nicht überschritten.

Entscheidend für ein Gelingen des Vorhabens ist jedoch die Frage der Zuschüsse durch die Stadt, den Landkreis und insbesondere das Land, sowohl im investiven als auch im betrieblichen Bereich. Da dem Land hierbei eine Schlüsselrolle zukommt, haben wir in der vergangenen Woche bereits ein Gespräch mit dem Umwelt- und Verkehrsministerium Baden-Württemberg geführt. Dabei zeigte sich, dass bei den Investitionen die von der WEG angesetzten Fördersätze im wesentlichen nach wie vor Gültigkeit haben und hier sicher alsbald nach Vorliegen der erforderlichen Entwurfspläne die Anträge auf Bewilligung gestellt werden sollten. Im Betriebskostenbereich wurde uns signalisiert, dass das Land sicherlich auch weiterhin zu den seinerzeit gegebenen Zusagen stehen wird. Die Grössenordnung ist jedoch nach unseren Kenntnissen bisher noch nicht schriftlich fixiert worden, hierüber wird das UVM zunächst interne Überlegungen anstellen müssen, um sodann in weiteren Gesprächen eine Aussage zum gesicherten Umfang abgeben zu können.

Wir haben das Land zwischenzeitlich angeschrieben, um von dort zu den behandelten Punkten eine Aussage zu erhalten, die dann als Basis für das weitere Vorgehen dienen kann.

Für zügiges Vorgehen

Die mit der Stadt besprochene Vorgehensweise - insbesondere die Erarbeitung gesicherter Plan- und Zuschusszahlen sowie die vertraglichen Randbedingungen - werden wir konsequent und zügig vorantreiben. Hierzu gehören auch Verhandlungen mit der WEG zur Übernahme des Busbetriebes durch die HzL, da wir der Auffassung sind, dass nur ein Gesamtsystem innerhalb des Talgangs - bestehend aus Schiene und Bus - durch ein Unternehmen sinnvoll ist und zu den nötigen Synergieeffekten führt. Wir halten es für wünschenswert, die Entscheidungen in den wesentlichen Fragen bis Ende des Jahres zu erlangen. Dann könnten die Verträge zu Beginn des nächsten Jahres formuliert und die Planungen für die notwendigen Genehmigungsverfahren in die Wege geleitet werden."

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Albstadt, 26.10.2002

Endgültiges Aus für die Talgangbahn- Reaktivierung

Nach zweieinhalb Stunden Frage-Antwort-Spiel zwischen Gemeinderatsgremium und HzL- Betriebsleiter Bernd Strobel zogen sich die Fraktionen am Donnerstag für fünfzehn Minuten zur Beratung zurück. In den danach folgenden Stellungnahmen der Fraktions- bzw. Gruppensprecher wurde das Schicksal der Talgangbahn dann endgültig besiegelt: Die Stadtverwaltung darf mit der HzL nicht weiterverhandeln. Das bedeutet im Klartext: Das Thema ist vom Tisch.

Die Abstimmung ergab 22 Nein- und 17-Ja- Stimmen. Verglichen mit ihrem Abstimmungsverhalten im Dezember 2001, als mit knappster Mehrheit (21 zu 20) grünes Licht für die Gespräche mit der WEG gegeben worden war, haben drei CDU-Räte ihre Meinung geändert: Dr. Willi Merkel, Roland Tralmer und Lambert Maute - sie stimmten vor zehn Monaten mit Ja, diesmal mit Nein. Alle anderen blieben bei ihrem Dezember-Votum. Zwei Räte - Matthias Frankenberg (CDU), der im Dezember mit Ja gestimmt hatte, und Adolf Lederer (SPD), der die Vorlage abgelehnt hatte - waren am Donnerstag nicht anwesend.

Ausschlaggebend für die Ablehnung der Verwaltungsbitte, weiter mit der HzL verhandeln zu können, war für die Mehrheit des Gremiums die Frage der Deckelung. HzL-Betriebsleiter Strobel machte deutlich, dass er in der derzeitigen Situation keine Zusage machen könne, sondern noch drei Monate Zeit vonnöten wären, um eine genauere Zahlengrundlage erarbeiten zu können. Dazu kam seine Aussage, dass Abbruch bzw. Sanierung der bestehenden Bahnhofsgebäude nicht in dem Paket enthalten sei. Im Gegensatz zu dem, was die WEG angeboten hatte - sie hatte die Bahnhöfe in die Kalkulation einbezogen - wurde dies von den Stadträten als Verschlechterung angesehen.

Stellungnahmen

Dr. Willi Merkel führte die Gründe für die Ablehnung seitens der CDU-Mehrheit aus: Die Stadt laufe in eine "offene Kostensituation". Die Haushaltslage erlaube es nicht, Wünschenswertes zu realisieren. Man müsse sich aufs Notwendige beschränken. "Die HzL will das finanzielle Risiko nicht tragen," sagte er. "Warum sollen wir das denn dann tun?" Seine kurzgefasste Formel: "Entweder Deckel oder nichts."

Auch Dr. Jürgen Häffner (Freie Wähler) begründete die ablehnende Haltung der Fraktionsmehrheit mit der Finanzierungsproblematik. Die Tatsache, dass die HzL keine Deckelung der Betriebskosten anbieten könne, sei eine "erhebliche Verschlechterung" gegenüber der einstigen Ausgangslage im Zuge der Gespräche mit der WEG. Statt der Bahn solle, zum Vorteil der Gesamtstadt, das Bussystem besser ausgebaut werden.

Rainer Günther (SPD) nannte ebenfalls das fehlende "Festpreisangebot" als ausschlaggebenden Grund für die Ablehnung der Fraktionsmehrheit. Ein "gewisses Bedauern" bleibe aber auch "bei denen, die das heute ablehnen". Aber die SPD-Fraktion sehe sich nicht in der Lage, das "Finanzabenteuer" zu tragen.

Andreas Laib (Grüne) stimmte weiteren Verhandlungen mit der HzL zu. Es sei einzusehen, dass Bernd Strobel sich im Moment nicht festlegen könne. Laib wollte aber "den Beschluss vom Dezember 2001 ernst nehmen" und die Auslotung der Möglichkeiten nicht verbauen.

Auch die FPD, namentlich Gruppensprecher Günter Lietzenmayer, hatte Verständnis für Strobels Situation und forderte eine entsprechende auf Zahlen basierende Vorlage für Anfang nächstes Jahr.

Thomas Voelter sah ebenfalls eine "realistische Chance" für die Bahn und appellierte an seine Ratskollegen, das Projekt nicht rundweg abzulehnen, bevor die Entscheidungsgrundlage tatsächlich klar sei: "Das ist nicht klug, nicht zukunftsorientiert und nicht umweltbewusst."

Für die Minderheit der Freien Wähler, die die Verhandlungen fortsetzen wollte, sprach Markus Schaudt. Die FW-Minderheit werde zustimmen, so Schaudt, wenn folgende Zusagen gegeben würden: Dass nach maximal drei Monaten eine Zahlengrundlage auf dem Tisch sei, dass die Betriebskosten präzisiert würden, dass der Landkreis seine Zuschusszusage bestätige, dass eine genaue Beschreibung der für den Betrieb notwendigen Flächen gegeben werde und - der einzige Punkt, den die Verwaltung nicht zusagen konnte - dass das Land eine schriftliche Zuschusszusage machen solle.

OB: "Jammerschade"

Die Folgewirkungen der Entscheidung, sagte OB Dr. Gneveckow, seien nicht zu ermessen am Ende der Sitzung. Die Entscheidung bedeute ein "Nein zu einer modernen Stadtbahn, ein Nein zu einer echten Verkehrslösung für den Talgang und ein Nein zu einem 15-Millionen-Euro- Landeszuschuss". Er dankte denen im Gremium, "die die Sinnhaftigkeit erkannt haben". Er befürchte nun, dass die Entscheidung gegen die Bahn "uns bald Kopfzerbrechen machen wird", wenn es darum gehe, was mit der Schienentrasse künftig gemacht werden solle. "Es ist jammerschade," sagte der OB.

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Wer zum Thema "Talgangbahn" noch ergänzende Fakten hat und sie mir zur Verfügung stellen möchte, kann mir gerne eine Mail senden: joerg.wagner@wagnerpoint.de

 

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Aktualisiert am
30.Januar 2005

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