Schnelle Hilfe an der Unfallstelle



Schnelle Hilfe an der Unfallstelle

Täglich passieren auf Deutschlands Straßen zahlreiche Verkehrsunfälle. Meistens sind dann normale Bürger die Ersten vor Ort, welche Hilfe leisten können und laut Gesetz auch müssen. Viele sind allerdings in solchen, nicht alltäglichen Situtationen, überfordert und machen, aus Angst etwas falsches zu tun, wenig oder nichts. Warum aber gerade der Ersthelfer am Wichtigsten ist und wie die schnelle Hilfe an der Unfallstelle aussehen kann, wird unten beschrieben.



Maßnahmenkette
-----> Sicherungsmaßnahmen <-----

Zuerst sollte die Unfallstelle gesichert werden, um weitere Gefahren für die Gesundheit für alle Beteiligten zu mindern. Deshalb sollten folgende Punkte beachtet werden, um z. B. Folgeunfälle zu verhindern.

- Warnblinkanlage
- Lichteinrichtungen einschalten
- Fahrzeug geeignet abstellen
- Warnweste
- Warndreieck aufstellen

mehr Info:

Gemäß § 34 StVO ist jeder Unfallbeteiligte zur Sicherung der Unfallstelle verpflichtet. Erst nach dem Eintreffen der Polizei überträgt sich diese Aufgabe auf den Polizeibeamten.
Alle, sowohl die unmittelbar Beteiligten eines Unfalls, als auch die Hinzugekommenen, sollten die Warnblinkanlage einschalten. Auch andere Leuchteinrichtungen, wie Standlicht und Leuchtmittel, z.B. Warnleuchten (beim LKW vorgeschrieben), sollten verwendet werden um die Unfallstelle erkennbar zu machen.
Sollte man zu einem Unfall hinzukommen, ist es am besten sein Fahrzeug ungefähr 10 Meter vor dem Unfall abzustellen. Dies bringt noch einen Puffer zwischen dem Unfall und dem Fahrzeug, falls andere Fahrzeuge in die Unfallstelle hineinfahren. Außerdem erleichtert es die Hilfsmaßnahmen der später eintreffenden Einsatzkräfte, wenn sie mehr Platz haben.
Warnwesten sind in Deutschland für private PKW-Fahrer noch nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber es wäre für die Sichtbarkeit, vor allem nachts, sinnvoll solche bei einem Verkehrsunfall zu tragen.


Warndreieck
Dann sollte das Warndreieck zur rechtzeitigen Warnung der anderen Verkehrsteilnehmer aufgestellt werden. Daran denken, dass jedes beteiligte Fahrzeug normalerweise mit einem Warndreieck ausgestattet ist, es können zum einen mehrere aufgestellt werden und zum anderen können auch Fußgänger und Radfahrer, die zum Unfall hinzukommen, die Stelle mit einem Warndreieck absichern. Am besten ist hier jeweils eines für jede Straßenseite zu verwenden, dass auch der Gegenverkehr langsamer und vorsichtiger heranfährt. Der Abstand von der Unfallstelle zum Warndreieck variiert von Straße zu Straße und muss auch den örtlichen Gegebenheiten angepasst werden.

Als groben Maßstab kann man folgende Abstände nehmen:

- Innerorts: 50 Meter
- Außerorts: 100 Meter
- Autobahnen oder ähnlich ausgebauten Straßen: 200 Meter


mehr Info:

Wenn man auf dem Weg zu der Stelle ist, an der das Warndreieck aufgestellt werden soll, wird empfohlen, das Warndreieck sichtbar vor dem Körper zu tragen und mit Handbewegungen den Verkehr aufzufordern, langsamer zu fahren.
Sollten sich Kurven, Kuppen oder eine andere unübersichtliche Straßenführung am Unfallort befinden, ist das Warndreieck davor aufzustellen.
Grundsätzlich ist zu beachten, dass das Warndreieck gut sichtbar für den übrigen Verkehr aufgestellt wird, so dass andere Verkehrsteilnehmer rechtzeitig auf die Gefahr hingewiesen werden und abbremsen können.


-----> Alarmierungsmaßnahmen <-----

Notruf

5 W-Fragen:
- Wo?
- Was?
- Wie viele?
- Welche Verletzungen?
- Warten!!!


112 - Feuerwehr / Rettung

- kostenlos
- bei Verletzten und Bränden

110 - Polizei

- kostenlos
- bei Sachschaden


Wo kann ich den Notruf absetzen?
- Mobiltelefon
- Festnetztelefon
- Notrufsäule

mehr Info:

Notruf
Über die Rufnummern 112 (Feuerwehr/Rettung) und 110 (Polizei) kann kostenlos professionelle Hilfe durch Feuerwehr, Rettung und Polizei angefordert werden. Generell sollte bei Unfällen mit Personenschaden über die 112 der Notruf abgesetzt werden, da dieser über die Rettungsleitstelle abgewickelt wird, welche darauf spezialisiert ist und Feuerwehr und Rettung koordiniert. Die Polizei wird dann von dieser Leitstelle informiert, somit muss man nur einmal bei einer Nummer anrufen. Bei Unfällen mit Sachschaden, wird normalerweise kein Rettungswagen benötigt, deshalb kann hierbei ein Anruf unter der Nummer 110 ausreichen. Dieser wird dann im zuständigen Führungs- und Lagezentrum der Polizei entgegengenommen. Werden die Nummern verwechselt, wird trotzdem geholfen. Sollte es nötig sein, kann in der Rettungsleitstelle ein Anruf an die Polizei weitergeleitet werden, bei der Polizei kann im Gegenzug der Notruf an die Rettungsleitstelle geleitet werden. Dies hat allerdings zur Folge, dass Zeit verloren geht, deshalb ist es am besten, man ruft die passende Notrufnummer an.

Inhalt eines Notrufs
Bei einer Alarmierung der Einsatzkräfte müssen die Disponenten davor möglichst viele Informationen über den Unfall einholen, um genügend und passende Kräfte zum Einsatzort zu schicken. Der Anrufer, der direkt vor Ort ist, spielt dabei zunächst die wichtigste Rolle. Die Antworten auf die folgenden wichtigsten Fragen sollte er am besten parat haben.
- Wo geschah es?
- Was geschah?
- Wie viele Personen sind betroffen?
- Welche Verletzungen liegen vor?
Letztendlich sollte der Anrufer noch auf Rückfragen warten, denn oftmals hat der Disponent noch zusätzliche Fragen oder er hat etwas nicht verstanden. Grundsätzlich sollte der Disponent auflegen, denn er weiß wann er alle benötigten Informationen zusammen hat.
Mit diesen ersten vier Fragen im Kopf sollte jeder erst einmal die Unfallstelle grob erkunden und dann mit den erlangten Informationen einen Notruf absetzen. Aber auch hier gilt der Grundsatz der Eigensicherung und sollte es nicht möglich sein, den Unfallort genauer zu erkunden, da die Eigengefährdung, zum Beispiel durch Brandgefahr, zu hoch ist, ist trotzdem ein Notruf abzusetzen, der dann eben nicht alle wichtigen Informationen enthalten kann.

Wo einen Notruf tätigen?
Einen Notruf absetzen kann man fast immer über das Mobiltelefon. Seit dem 1. Januar 2010 muss sich dabei allerdings eine Sim-Karte im Mobiltelefon befinden, denn in der Vergangenheit stieg die Anzahl der "Spaßanrufe". Um diese Anzahl der rechtswidrigen Notrufe zu senken, wird nun immer die Rufnummer angezeigt. Ansonsten kann man, wie bisher, ohne Vorwahl und ohne Kosten die 112 und die 110 anrufen. Sollte das Mobiltelefon mit einer Tastensperre oder einer Pin gesichert sein, ist es trotzdem möglich die 112 anzurufen.
Alternativen zum Handy sind entweder Notrufsäulen oder umliegende Häuser, welche meistens ein Festnetztelefon besitzen.

Notrufsäule
Der Ort der Notrufsäule ist sowohl durch blaue rechteckige Schilder, als auch durch schwarze Pfeile an den Leitpfosten gekennzeichnet. Der Pfeil auf dem Leitpfosten zeigt in die Richtung, in der am nächsten eine Notrufsäule steht, denn es wäre oft fatal, in die falsche Richtung zu laufen und erst nach längerer Zeit eine Notrufsäule aufzufinden.


-----> Hilfsmaßnahmen <-----

Rettung von Verletzten

- Aus Gefahrenzone bringen
- So wenig wie möglich bewegen
- Eigenschutz beachten, z.B. Handschuhe
- Erste Hilfe
- Verbandsmaterial müsste in jedem Kfz. vorhanden sein


mehr Info:

Erst nachdem Eigen- und Fremdgefährdung, also durch das Absichern der Unfallstelle, ausgeschlossen sind und der Notruf abgesetzt wurde (kann in Einzelfällen auch während den Hilfsmaßnahmen geschehen), können die eigentlichen Hilfsmaßnahmen, wie zum Beispiel die Erste Hilfe, beginnen.
Im Folgenden wird nicht auf die Erste Hilfe bei den Verletzten eingegangen, denn dieses Wissen wird einem in Erste Hilfe Kursen beigebracht, zudem befindet sich im Verbandskasten eine Broschüre, in der dieses Thema kurz erklärt ist. Es geht nun eher darum, was bei den Hilfsmaßnahmen bei einem Unfall zu beachten ist, wie zum Beispiel der Airbag und die Brandgefahr.

Rettung von Verletzten
Besteht keine unmittelbare Gefahr für die Verletzten, sei es durch Brandgefahr, Kälte oder dem fließenden Verkehr, dann ist es am besten, dass man sie so wenig wie möglich bewegt. Das heißt, dann können die Personen auch im Fahrzeug bleiben, oder auf der Straße liegen bleiben. Oft sollte man die Person jedoch aus dem Fahrzeug bringen oder von der Straße tragen, da sie bewusstlos ist oder andere Gefahren drohen.
Der wichtigste Rettungsgriff, welcher auch als alleiniger Helfer funktioniert, ist der Rautek-Rettungsgriff.
Dabei begibt man sich hinter den Kopf des Verletzten und greift mit beiden Händen unter den Nacken des Liegenden, sodass der Kopf des Verletzten auf den Unterarmen aufgelegt ist und die Wirbelsäule gestützt ist. Am besten handelt man aus der Hocke, denn dabei hat man mehr Kraft und es schont den eigenen Rücken. Nun wird der Verletzte aufgestützt und an die eigenen Knie gelehnt. Mit den nun wieder frei gewordenen Händen greift man durch die Achselhöhlen der verletzten Person hindurch und greift einen ihrer Arme mit beiden Händen. Wichtig ist, dass die Daumen nach vorne zeigen, da ansonsten der Arm des Verletzten abgedrückt wird. Aus der Hocke heraus kann man sich nun nach hinten aufrichten und die Person rückwärts aus der Gefahrenzone schleifen. Auf jeden Fall sollte behutsam mit der Person umgegangen werden und sie sollte so schonend wie nur möglich transportiert werden. Neue oder schlimmere Verletzungen, vor allem im Bereich der Wirbelsäule, sind zu verhindern.

Rettung aus dem Fahrzeug
Der oben genannte Rettungsgriff findet auch bei der Rettung aus dem Fahrzeug in abgewandelter Form Anwendung. Bei der Rettung aus dem Fahrzeug ist der Airbag nach dem Unfall eine Gefahr für Helfer und Verletzten. Näheres dazu etwas später. Grundsätzlich werden zunächst der Motor und die Zündung abgestellt. Den Schlüssel allerdings für die Einsatzkräfte und später den Abschleppservice stecken lassen. Sollte das Autoradio laufen, dann kann dies ebenfalls abgestellt werden. Dann kann der Sicherheitsgurt gelöst werden, ist dies nicht möglich muss er, am besten mit einem Gurtschneider, abgeschnitten werden. Nun kann die Person auf dem Sitz mit dem Rücken zur Türe gedreht werden und unter Beachtung der Füße, welche sich im Fußraum des Fahrzeugs verfangen können, unter Anwendung des oben aufgeführten Rautek-Rettungsgriff aus dem Fahrzeug gebracht werden. Hierbei ist es sinnvoll zu zweit zu arbeiten.
Bei der Rettung aus dem Fahrzeug sind unbedingt die Verletzungsmöglichkeiten zu beachten. Im und am Fahrzeug können sich abstehende, scharfkantige Autoteile befinden und auch die Glasscherben stellen ein Verletzungsrisiko dar.

Airbag
Nach einem Unfall stellen die Airbags in den Fahrzeugen eine oft unterschätzte Gefahr dar. Dass ein Airbag ausgelöst wird, hängt von der Aufprallgeschwindigkeit und dem Zustand des Airbags ab. Es kann sein, dass der Airbag nach einem Unfall noch nicht ausgelöst wurde. Nun reichen manchmal schon kleine Erschütterungen nach dem Unfall aus, dass der Airbag doch noch auslöst. Damit sind leider dann zusätzliche Verletzungen der Insassen und Verletzungen der Helfer verbunden. Mittlerweile sind viele neuere Fahrzeuge zusätzlich mit Seitenairbags und sonstigen kleineren Airbags versehen. Es ist daher sehr wichtig, dass Helfer beim Helfen nicht ihren Kopf in das Fahrzeuginnere, vor allem zwischen Kopf des Insassen und Lenkrad, bewegen. Auch wenn die Batterie abgeklemmt ist, besitzen viele Airbagsysteme elektrische Speicher oder haben sogar mechanische Auslösungen, weshalb die Gefahr nicht hundertprozentig gebannt ist. Zudem ist das Gas, welches den Airbag aufgehen lässt, gesundheitsschädlich. Deshalb immer auf die Eigensicherung achten und andere Personen auf die Gefahr hinweisen. Lediglich die Feuerwehr hat geeignetes Material, um einen Airbag zu sichern.

Brandgefahr
Brandgefahr besteht immer durch ausgelaufenen Treibstoff und auch durch die Elektronik im Fahrzeug, explizit die Fahrzeugbatterie.
Ist der Unfall gerade erst passiert und es dampft in den ersten Momenten weiß aus dem Fahrzeug, darf nicht sofort von einem Fahrzeugbrand ausgegangen werden, denn nachdem die Airbags ausgelöst sind, entweicht das Gas aus ihnen, was dann aussieht, als ob es brennt.
Sollte das Fahrzeug tatsächlich nach einer Weile rauchen, müssen alle Personen aus dem Gefahrenbereich. Wenn es möglich ist, sollten die Verletzten, wie oben beschrieben, aus dem Fahrzeug und der unmittelbaren Nähe, in Sicherheit gebracht werden.
Lastkraftwagen und Kraftomnibusse haben Feuerlöscher als Ausstattung mit dabei und können eingesetzt werden. Ist trotzdem kein Löschmittel zur Hand, bleibt nur noch das Warten auf die Polizei und die Feuerwehr, in angemessenem Abstand zum brennenden Objekt.


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